Glücklich sein wird überbewertet

Die Bücherregale im Ratgeberbereich sind voll zum Thema Glück. Alle sind auf der Suche nach Glück. Wenn du Menschen fragst, was sie wollen, dann kommt meist: „Ich möchte nur glücklich sein. Ich möchte einglückliches Leben führen. Ich möchte eine glückliche Ehe haben.“ Oder du hörst an manchen Tagen: „Du siehst aber nicht glücklich aus.“ Da haben wir aber Glück gehabt. Glück, Glück, Glück. Ganze Industrien sind entwickelt, um uns glücklich zu machen. Alles Ablenkung von Schmerz damit ich mich nicht mit der Frage auseinandersetzen muss, was will ich vom Leben. Oder was will ich nicht mehr in meinem Leben. Was ist der Sinn für mich? Gibt es überhaupt einen Sinn? Manchmal haben wir auch das Gefühl, wir müssten glücklich wirken, damit wir anderen nicht zur Last fallen. Oder Paare erwarten von anderen „Mach mich glücklich.“„Er macht mich so glücklich“ – so ein Schwachsinn.

Da ist doch früher oder später vorprogrammiert, dass das nicht klappt.

1. In eine der letzten Podcast-Folgen zum Thema „Opfer und Verantwortung“ hast du wahrscheinlich schon gehört, dass du deine Emotionen selbst kreierst – heißt also, jemand anderes kann dich gar nicht glücklich machen, sondern nur du selbst. Und wenn du willst, dass jemand anderes dich glücklich machst, dann hör die Mal die Folge mit Denys Scharnweber an zum Thema Liebe und Bedingungslosigkeit.

2. Was, wenn dein Leben nicht glücklich war? Was ist mit all den Situationen im Jetzt, indenen es dir nicht gut geht?Klopfst du dann am Ende an die Himmelspforte oder wo auch immer und dann sagt Gott oder das Universum „Oh, oh, deineLeben war ein totaler Fail, denn auf deiner Glückspunktekarte sind nur 50 Glücksmomente und nicht 10.000. Du hast leider den Glückscore nicht erreicht – sorry, für dich gibt es heute kein Foto und ab in die Verdammnis.

“So wird es nicht sein.Wer dem Glücklich sein hinterherrennt, verpasst wunderbare Momente im Leben. Verpasst, dass Jetzt.Ich ersetze Glück lieber mit Fülle. Ich möchte lieber ein erfülltes Leben führen, statt ein glückliches. Und übrigens ist für mich vollkommen ok, wenn du das anders siehst. Es geht ja nicht ums Rechthaben, sondern darum, dass ich mit dir meine Gedanken teilen kann, und du dich dadurch erfährst und dich hinterfragst. So schaffen wir beide eine Beziehung und lernen und kennen. Und das allein bereichert mein Leben schon ungemein. Wenn Glücksgefühle dazu kommen – ist das ein nettes Add on, dass ich gerne nehme. Was ich damit meine ist, dass ich mir selbst mehr Freiraum gebe und anderen, wenn nicht Glücklich sein mein oberster Wertemaßstab ist.

Jedem von uns ist schon etwas passiert, dass nicht schön war. Demütigung, Schmerz, Verlust – darin sind wir alle gleich. Wenn ich glücklich sein als obersten Wert hätte, würde ich mich unglaublich schwer tun, das Leben als solches zu akzeptieren und mich ganz anzunehmen. Glücklich sein ist nur ein kurzer Zustand – wie einRausch – und na klar, finde ich es angenehmer mich glücklich zu fühlen, als unglücklich. Die Fähigkeit mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, ist die Fähigkeit, die dafür sorgt, dass mein Leben so wird, wie ich es will. Denn so unangenehm wir sie finden, die von uns als negativ bewerteten Emotionen – wie Angst,Trauer, Wut, Ekel – sind ein Teil von uns.

Und jetzt kommt der Teufelskreis, wenn Glück so eine starke Gewichtung in unserem Leben bekommt. Wir meiden Situationen, die uns unglücklich machen, wie Konfrontationen, ehrliches Feedback,Trennungsentscheidungen – vom Job oder Partner– nur um das Unangenehme nicht fühlen zumüssen. Damit verleugnen wir uns selbst. Und dannwachen wir nach ein paar Jahren auf und wundernuns, wie wir hier hingekommen sind. Hier wolltenw ir doch gar nicht sein. Und es wird uns so leicht gemacht, vor diesenunangenehmen Emotionen zu fliehen und uns mitihnen nicht auseinander setzen zu müssen. Ablenkungen gibt es überall: Netflix, Instagram, Tinder, Wochenende und Alkohol, Parties, Sport, Reisen. Computerspiele. Alles für ein kurzes High.

Damit sage ich übrigens nicht, dass man nie wieder reisen sollte oder nie auf Parties gehen sollte. Damit sage ich nur, sei bewusst, warum du gewisse Dinge machst. Ist es gerade eine Ablenkung von dem, was in dir vorgeht, damit du dich damit nicht beschäftigen musst, oder ist es einfach etwas Schönes, dass dich erfreut, um der Freude willen? Denn Reisen und Netflix und Instagram darf auch einfach schön und leicht sein. Achte nur auf dich, wann und warum tust du das gerade. Je wacher du dir selbst gegenüber bist unddeinem Verhalten, umso weniger können anderedich beeinflussen und dich manipulieren. Und das fängt schon bei so kleinen Entscheidungen an wie, schaue ich diese Serie oder eben nicht? Und was übrigens auch super ist, wenn du erkennst, hey, ich schaue gerade diese Serie, um mich abzulenken – dann ist das auch prima. Denn dann ist das ebenso bewusst. Und die Glücks-Falle hat dich nicht mehr im Griff.Allein damit gibst du dir selbst Raum – so sein wie du bist.

Von diesem Standpunkt aus schöpfst du Kraft, Dinge zu verändern. Gerade zum Neujahr gibt es ja viele Vorsätze. Vielleicht hast du auch schon wieder ein paar.Und wie läuft es damit nach ein paar Wochen –bei einigen vielleicht gut, und bei anderen wieder nicht so gut.Und jetzt kommt es. Fuck dich nicht darüber ab, sondern nimm es an. Du bist kein Fail, wenn dein Vorsatz nicht geklappt hat.  Du bist ein Mensch. Menschen machen Fehler. Und heute kannst du dich wieder neu entscheiden. Also verschwende keine Zeit darauf, dich über dich selbst zu ärgern, denn das liegt in der Vergangenheit.Und wenn du das tust, ist die Chance zwischen durch glücklich zu sein, ganz groß.

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